Wandel im Web

Wandel im Web
20 Jahre Internet, 20 Jahre zdf.de

Als das ZDF 1996 sein Internet-Angebot startete, füllte ein Monitor den ganzen Schreibtisch, die Seite im Netz war statisch und der Klang eines Modems jedermann vertraut. Was hat sich seitdem geändert, wie haben sich das Internet und das Angebot auf ZDF.de entwickelt? Machen Sie mit uns eine Zeitreise!

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Im Shitstorm

Mit der Flüchtlingskrise kommt in Deutschland auch die Debatte über fremdenfeindliche Kommentare im Netz. Wer sich dieser Tage zur Willkommenskultur bekennt, läuft Gefahr in einen Shitstorm zu geraten. Schauspieler Til Schweiger wird für das Teilen eines Spendenhinweises beschimpft, die Journalistin Dunja Hayali wird mit Hasskommentaren überschüttet, weil sie auf Facebook den Anschlag auf Asylbewerber in Freital verurteilt. Doch es geht auch anders herum: Gegen Kanzlerin Merkel richtet sich ein Schmähgewitter, nachdem sie ein Flüchtlingsmädchen bei einem Ortstermin - unabsichtlich - zum Weinen bringt.

"Die Primitivität und Aggressivität, mit der Andersmeinende im Internet verfolgt werden, scheint mir denselben psychologischen Mechanismen zu folgen, die früher zu Lynchjustiz und Pogromen führten", schreibt Kabarettist Dieter Nuhr in der FAZ, nachdem er selbst Opfer eines Shitstorms wird. "Ich halte die pauschale Shitstorm-Kritik für falsch", hält Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen dagegen. Ein Shitstorm könne auch große gesellschaftliche Fragen spiegeln: "Man denke nur an die sogenannte Aufschrei-Debatte." Der Politologe Martin Emmer findet, die Debatten seien Teil eines Demokratisierungsprozesses - jeder könne sich jetzt zu Wort melden. Richtig sei aber auch: "Die digitalen Öffentlichkeiten sind viel härter und direkter als all das, was früher in der massenmedialen Welt, abgepolstert durch journalistische Selektionsmechanismen, passiert ist."

Dieter Nuhr hofft darauf, dass sich das Netz langfristig selbst Regeln gibt, Dunja Hayali setzt auf die öffentliche Auseinandersetzung mit den Hasskommentaren: "Lieber Lawrence von Arabien", schreibt sie auf Facebook als Antwort auf einen mit Beschimpfungen und Rechtschreibfehlern gespickten Brief, "ich hätte Ihnen gern privat geantwortet, aber ohne Absender war mir das nicht möglich. Deshalb antworte ich nun öffentlich. Dass Sie "gesetzestreu" und "hochqualifiziert" sind, würde ich jetzt mal ganz vorsichtig anzweifeln. Mit allem anderen haben Sie natürlich recht. Grüße aus dem Großstadtdschungel, Nofretete"

Mehr zum Thema: http://webstory.zdf.de/shitstorm/