Wandel im Web

Wandel im Web
20 Jahre Internet, 20 Jahre zdf.de

Als das ZDF 1996 sein Internet-Angebot startete, füllte ein Monitor den ganzen Schreibtisch, die Seite im Netz war statisch und der Klang eines Modems jedermann vertraut. Was hat sich seitdem geändert, wie haben sich das Internet und das Angebot auf ZDF.de entwickelt? Machen Sie mit uns eine Zeitreise!

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Ungeprüfte Wahrheit

Über 1.900.000 Artikel gibt es im März 2016 laut Wikipedia allein in der deutschsprachigen Version der Seite. Längst ist das Nachlesen in dem Web-Lexikon für Internet-User zur oft geübten Routine geworden: Die gesellige Runde am Abend klärt mal eben, wer nun Recht hatte bei der Frage nach dem ersten Film mit Heinz Rühmann. Schüler suchen Infos für ihre Referate. Und mancher Journalist soll angesichts der Materialfülle bei Wikipedia schon ganz aufs eigene Recherchieren verzichtet haben.

Ein Risiko, denn das Besondere an dieser Enzyklopädie ist ja, dass jeder sie verändern kann. Zwar werden Einträge und Änderungen von anderen Wikipedianern gelesen und korrigiert, aber die langen Diskussionsseiten zu einzelnen Artikeln zeigen, dass die objektive Darstellung eines Sachverhaltes manchmal doch relativ ist. Trotzdem ist die Aktualität und Fülle der Artikel beeindruckend, auch wenn man sich fragen kann, ob wirklich alles in Wikipedia einen Eintrag wert ist.

Wer es als Person zu einem Eintrag gebracht hat, darf sich einer gewissen Bedeutung sicher sein, denn auch diese Artikel werden auf Relevanz und sachliche Richtigkeit geprüft. Das müssen 2005 die Mitarbeiter verschiedener Abgeordneter im US-Kongress erfahren: Sie hatten versucht, kritische Bemerkungen zu streichen und durch positive Einträge zu ersetzen.

In Deutschland versucht der Linke-Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann 2008 die Deutungshoheit über seine Vitae zu halten, indem er die Sperrung der deutschsprachigen Wikipedia-Einstiegsseite vor Gericht erzwingt. Er habe keine andere Möglichkeit gesehen, sich gegen falsche Behauptungen über ihn zu wehren, so Heilmann. Das zeigt ein weiteres Problem im System: Wikipedia setzt mit seiner Offenheit erfolgreich auf die Schwarmintelligenz - macht es damit aber auch möglich, gezielt Falsches ins Netz zu stellen, denn die Korrektur erfolgt, im Gegensatz zum gedruckten Lexikon, erst hinterher.